Reisebericht Irland 2007

Wir begannen unseren Urlaub am Mittwoch, den 22. August: Um 10:15 Uhr flogen wir mit Ryanair von Frankfurt-Hahn aus nach Dublin. Dank frühzeitiger Buchung war der Flug wirklich günstig. Wegen der Zeitverschiebung landeten wir bereits um 11:15 Uhr Ortszeit in Dublin, ein noch recht kleiner Airport, der aber fleißig erweitert wird.

Mit dem Bus wollten wir zu unserer im Vorfeld über das Internet gebuchten Unterkunft fahren, ein Bed and Breakfast (BnB) in einem Dubliner Vorort. Artig fragten wir den Busfahrer, ob dies die richtige Linie sei, und an welcher Haltestelle wir aussteigen müssten. Er versprach, uns rechtzeitig Bescheid zu sagen. Als der Bus nach längerer Fahrt schließlich in der O'Conell-Avenue (Dublin Zentrum) hielt, wollte ich mich noch einmal vergewissern, daß dies korrekt ist – leider saß ein anderer Fahrer am Steuer; wann sie gewechselt haben weiß ich nicht.

Also die gleiche Linie wieder zurück. Nach einiger Lauferei kamen wir auch glücklich in unserer ersten Pension an. Nachdem wir unser Gepäck abgeladen hatten, ging es zurück ins Zentrum. Dort schlenderten wir erst einmal ohne festes Ziel durch die Stadt, um einen ersten Eindruck von ihr zu bekommen. Durch verschiedene Einkaufsstraßen, vorbei am Trinity College und schließlich ins Temple Bar Viertel. Dort ließen wir den Abend bei einem Guinness Draught und irischer Musik in der Temple Bar ausklingen.

Am nächsten Morgen (Donnerstag) servierte der Gastgeber dann unser erstes irisches Frühstück mit viel Rührei. Als ersten Programmpunkt des Tages hatten wir uns einen Besuch der Old Library des Trinity Colleges vorgenommen, in welcher das Book of Kells aufbewahrt wird. Weil wir zeitig dort waren, hielten sich die Besucherzahlen noch in Grenzen. Eine Ausstellung informierte vorab über die Entstehung des Buches, bevor man dann zwei Seiten des Originals bewundern durfte. Bei knapp siebenhundert Seiten wird jeden Tag des Jahres eine andere Doppelseite gezeigt.

Anschließend konnte man die Long Hall der Old Library besuchen, in welcher allein 200.000 wertvolle alte Bücher, die älteste Harfe Irlands und ein Original der irischen Unabhängigkeitserklärung von 1916 aufbewahrt werden.

Als wir die Ausstellung verließen, hatte der Besucherstrom schon deutlich zugenommen. Wir wanderten weiter durch die Stadt zur St. Patrick's Cathedral, durch das Viertel South Georgian Area und den Park St. Stephen's Green bis zum Oscar-Wilde-Denkmal. Auf dem Weg quer durch die Stadt zu unserer Autovermietung kamen wir dann noch an dem riesigen Gelände der Guinness-Brauerei vorbei. Nachdem wir bei der Autovermietung alle Formalitäten erledigt hatten, begann dann das Abenteuer Linksverkehr, wobei ich mich an meine Fahrschulzeit erinnerte. Auf vieles, was man inzwischen eigentlich automatisch macht, mußte ich mich wieder furchtbar konzentrieren.

Am nächsten Freitag verließen wir bereits Dublin Richtung Süden. Jetzt lernten wir die irischen Landstraßen kennen: Eng, schlaglochreich und aufgrund direkt am Fahrbahnrand hoch wachsender Büsche und Bäume schrecklich unübersichtlich. Obendrein fahren die Iren sehr forsch, so daß dem kontinentalen Fahrer schnell die Schweißperlen auf der Stirn stehen.

Unser nächstes Ziel war das Tal von Glendalough in den Wicklow Mountains. Malerisch an zwei Seen gelegen befinden sich dort die Überreste einer alten Klostersiedlung aus dem 11. und 12. Jahrhundert. Neben einem gut erhaltenen, für Irland typischen Rundturm, beeindruckt besonders die Kapelle St. Stephen's Kitchen mit einem gemauerten Dach.

Von Glendalough aus fuhren wir Richtung Küste. In Arklow fanden wir schließlich ein BnB für die Nacht bei einer älteren Dame, die uns in ihrem fein eingerichteten Wohnzimmer erst einmal mit Tee bewirtete.

Am Samstag fuhren wir in südwestlicher Richtung übers Land. Die erste Sehenswürdigkeit war Jerpoint Abbey, die Ruinen eines Zisterzienser-Klosters aus dem 12. Jahrhundert. Der Kreuzgang ist teilweise noch mit schönen Steinmetzarbeiten dekoriert, am Sarkophag von Bishop O'Dulany of Ossory beeindruckt eine Figurengruppe, genannt „The Weepers“, eine Steinmetzarbeit aus dem 13. Jahrhundert.

In der Nähe von Jerpoint Abbey soll sich in der Kirche St. Nicholas das Grab des heiligen Nikolaus von Myra befinden. Leider steht die Kirche auf einem Privatgrundstück und kann nicht besichtigt werden.

Wir fuhren weiter nach Kilkenny am River Nore. Dort nahmen wir an einer Führung durch Kilkenny Castle oder auch Butler's Castle teil, einer normannischen Festungsanlage, die lange Zeit Residenz der Butler-Family war, bis diese nach Gründung der Republik Irland Burg und Land verließ.

Anschließen stiegen wir in die Dunmore Cave hinab, eine Tropfsteinhöhle, deren Besuch sich eher für diejenigen lohnt, die noch keine Tropfsteinhöhle gesehen haben – Spektakuläres sollte man nicht erwarten. Von dort machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Etappenort: Cashel.

Sonntag: Da wir schon am Vorabend in Cashel angekommen waren, konnten wir den berühmten Rock of Cashel schon am frühen Morgen besuchen, als noch wenig Touristen dort waren. Der Felsen war lange Zeit Sitz der Könige von Munster, der heilige Patrick soll König Aengus dort getauft haben, später wurde der Fels der Kirche geschenkt und als Bischofssitz genutzt.

Am beeindruckensten ist sicher die riesige Kathedrale. Doch auch Cormac's Chapel (auch eine Kapelle mit Steindach) und das St.-Patrick's-Cross sollten unbedingt beachtet werden.

Inzwischen nahm der Besucherstrom merklich zu. Wir reisten aber bereits weiter nach Cahir und besichtigten das dortige Cahir Castle, eine gut restaurierte Burg, größtenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Anschließend ging es in Richtung Südküste nach Kinsale. Dort ist vor allem die Befestigungsanlage Charles Fort sehenswert, ein Bollwerk gegen die napoleonische Flotte, die Irland aber nie aufsuchte. Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Anlage militärisch genutzt und dann im Bürgerkrieg teilweise zerstört.

Am Old Head of Kinsale genossen wir erstmals die Aussicht auf irische Meeresklippen, besonders da auch das Wetter traumhaft war. Etwas weiter westlich in Skibbereen fanden wir eine Unterkunft für die Nacht.

Am Montag bekamen wir von der Gastgeberin den Tip, daß wir nicht nur den Ring of Kerry fahren sollten, sondern auch den Ring of Beara. Da wir wegen der benötigten Zeit unsicher waren, fuhren wir diesen nur zur Hälfte und kürzten ihn über den Healy Pass ab, eine Strecke, die auf jeden Fall empfehlenswert ist. Abgesehen von der geringen Höhe von ca. 400 m erinnert die Landschaft dort sehr an einen Schweizer Alpenpass.

Anschließend befuhren wir den Ring of Kerry von Süden aus. Die Reisebusse kommen meistens aus Norden, so daß wir sie nicht die ganze Zeit vor uns hatten. Besonders die malerische Küste macht diese Fahrt so lohnenswert. In einer winzige Pralinenmanufaktur (der westlichsten Europas), an der St. Finian's Bay gelegen, werden köstliche Pralinen hergestellt. Etwas weiter, in dem Örtchen Ballinskellig spazierten wir über den Strand.

Abends erreichten wir Killarney, wo wir bei einer freundlichen älteren Dame eine günstige Übernachtungsmöglichkeit fanden.

Dienstag besuchten wir in Killarney Muckross House, ein original eingerichtetes viktorianisches Herrenhaus von 1843 mit schöner Gartenanlage. Im Umfeld ist das Freilichtmuseum Muckross Traditional Farms, in welchem drei Farmen nach historischen Anbaumethoden bewirtschaftet werden und ältere Damen einem viel über das Leben der Landbevölkerung erzählen können.

Nach einem kurzen Abstecher zur Burg Ross Castle in Killarney fuhren wir dann Richtung Norden. Eine Weile führte uns unser Weg dabei am Shannon River vorbei, dort, wo er sich schon zum Mündungsdelta hin weit ausbreitet. In Ennis blieben wir in einem Guesthouse für die Nacht.

Mittwochs besuchten wir morgens dann etwas weiter südlich in Bunratty das aufwendig restaurierte und historisch eingerichtete Bunratty Castle und den dazugehörigen Folk Park.

Anschließend wanderten wir lange auf den Cliffs of Moher. Wir waren sehr beeindruckt von der atemberaubenden Steilküste am Atlantik. Leider ist dort für die Besucher nur ein kleines Stück gut ausgebaut und frei zugänglich, die wirklich schönen und schwindelerregenden Ausblicke erlebt man allerdings erst etwas illegal außerhalb des offiziellen Besuchergeländes.

Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir Doolin, einen kleinen Küstenort, wo wir eine schöne Unterkunft mit einem Zimmer mit Blick auf die Klippen bezogen. Abends erlebten wir noch einen Bilderbuch-Sonnenuntergang an der Atlantikküste.

Auch beim Frühstück am Donnerstag konnten wir noch einmal die Aussicht auf die Klippen genießen - besonders nett, weil Sandra Geburtstag hatte.

Auf unserem Weg in nördliche Richtung durchfuhren wir die unwirtliche, bizarre Steinlandschaft des Burren, ein Karstgebiet in Irlands Westen. Oliver Cromwell soll beim Anblick der Landschaft gesagt haben: „Zu wenig Bäume, um jemanden aufzuhängen, zu wenig Wasser, um jemanden zu ersäufen und zu wenig Erde, um jemanden zu verscharren.“ Eine treffende Beschreibung, die aber nicht die Faszination ausdrückt, welche diese Landschaft trotzdem ausübt. Ebenfalls sehr beeindruckend ist der im Burren gelegene Poulnabrone Dolmen, ein Megalithgrab von vor ca. 5000 Jahren.

Nach dieser Stein-Einöde erreichten wir die friedlich im grünen Tal des Shannon gelegene Klostersiedlung Clonmacnoise. Dort fasziniert besonders das Hochkreuz Cross of the Scriptures (9. Jahrhundert) mit seinen Szenen aus der Bibel, aber auch alte Grabplatten aus dem 8. - 12. Jahrhundert sowie das bizarr verfallene Norman's Castle.

Nach diesem Ausflug ins Innere der Insel blieben wir die Nacht über in Galway, wodurch wir abends schlenderten.

Freitag führte unsere Route durch die Landschaft des Joyce's Country von Connemara mit Bergen, Flußtälern, Moorebenen und malerischen Küstenorten. Im Westen machten wir dann einen Abstecher über den Atlantic Drive auf Achill Island, wo wir die rauhe Schönheit des Atlantiks genießen konnten. Auch befindet sich hier die höchste Steilküste Europas. Von einem Aussichtspunkt auf 400 m Höhe hofften wir auf einen Ausblick darauf – bei 380 m ging es aber in eine dichte Wolkendecke, so daß wir keine 50 m weit mehr sehen konnten.

Anschließend fuhren wir bei grau-nassem Wetter durch öde Moorlandschaften, bis wir die Céide Fileds erreichten. Bei dieser neolithischen Ausgrabungsstätte hat man unter dem Moor ein fast 5000 Jahre altes Dorf entdeckt. Die wenigen Steine selbst hinterlassen einen wenig spektakulären Eindruck. Wesentlich interessanter ist, welche Rückschlüsse die Archäologen daraus ziehen und welche große Bedeutung diese Funde haben. Es zeigte sich dort nämlich, daß die Menschen zu dieser Zeit nicht wie zuvor angenommen als Nomaden lebten, sondern vielmehr ein gut organisiertes Gemeindeleben als Bauern und Viehzüchter führten.

In Ballina, am Ufer des Moy, blieben wir die Nacht über in einer schönen Pension.

Den Samstag begannen wir mit einem guten Frühstück aus Baked Beans und Spiegeleiern, bevor es auf den weiten Weg in den Norden nach Derry ging. Interessant war dort das Katholikenviertel Bogside im protestantischen Nordirland. Viele politische Wandmalereien und Inschriften erinnern an die Zeit der Unterdrücken, der Unruhen und des Terrors, besonders auch das Bloody Sunday Memorial. Derry rühmt sich seiner vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert. Allerdings ist ansonsten nur noch wenig historische Bausubstanz erhalten und der Ort insgesamt nicht sehr einladend.

Wir verließen Nordirland noch einmal für einen Abstecher auf die Inishowen Peninsula, dort steht in Clonca eines der ältesten Hochkreuze Irlands aus dem 8. Jahrhundert.

Wieder zurück in Nordirland machten wir uns auf die Suche nach einem Bed and Breakfast – dort leider wesentlich schwieriger als in der Republik Irland, was wir vorher leider nicht wußten. Es regnete etwas und dämmerte schon, als wir schließlich in einem kleinen Wäldchen ein altes Herrenhaus von 1840 mit BnB fanden, wo uns eine alte Dame die Tür öffnete. Etwas unheimlich war das alles schon, auch die Tafeln mit den frommen Sprüchen an den Wänden und die antiquierte Einrichtung taten ihren Teil dazu.

Als wir Sonntags erwachten, hatten wir die Nacht aber doch ohne Gespenster und Spukerei überstanden. Und die alte Dame war eigentlich auch sehr süß. Ebenso war das Frühstück gut und wir machten uns auf den Weg auf die Causeway Coastal Route.

Bei Bushmill staunten wir über den Giant's Causeway; Basaltsäulen, die weit in das rauhe Meer ragen. Eine Sage über dieses UNESCO-Weltnaturerbe besagt, daß ein Riese dort einen Damm Richtung Schottland bauen wollte, um zu der Riesen-Dame seines Herzens zu gelangen.

Zurück in Bushmill besichtigten wir die wahrscheinlich älteste Whiskey-Brennerei der Welt, Old Bushmills Distillery. Nach einer Werksbesichtigung durfte man auch ein Gläschen verkosten, und da jemand fahren mußte, wurden es für mich zwei. Und das auf leeren Magen …

Entlang der Coastal Route fuhren wir weiter Richtung Belfast. Auch heute war es nicht leicht, schließlich bei Temple eine Unterkunft zu finden. Die Städte waren nicht so einladend wie im Süden, die Menschen nicht so freundlich, wir mochten Nordirland immer weniger …

Deshalb ging es am Montag auf direktem Weg zurück in die Republik. Dort machten wir halt in Monasterboice, eine weitere Klosteranlage mit interessanten Ruinen und Hochkreuzen. Besonders schön Muireadach's Cross mit vielen Bibelszenen, und mit 6 m Höhen ungewöhnlich groß das Tall Cross. Besonders nett hier: kein Eintritt. Dafür kauften wir einige der entsprechend teuren Ansichtskarten.

Nach Monasterboice standen dann die historisch sehr bedeutenden Stätten Newgrange und Knowth an. Obwohl deutlich schöner und historisch wertvoller, ist Knowth noch etwas weniger von Touristen besucht, während sich in Newgrange das Publikum schon drängt. Beides sind Hügelgräber aus der Zeit 3200 v. Chr. und damit die ältesten Bauwerke Europas sowie UNESCO-Weltkulturerbe. Faszinierend ist die kulturell und wissenschaftlich hohe Entwicklungsstufe der Menschen dieser Zeit: In Knowth sind die Grabgänge exakt in Ost-West-Richtung gebaut, in Newgrange scheint an den Tagen der Tag- und Nachtgleiche die Sonne über einen Lichtschacht genau in die innerste Kammer. Leider ist die Außenansicht von Newgrange nur eine Interpretation eines an den Ausgrabungen beteiligten Professors und somit nicht historisch gesichert.

Nach einer Fahrt durch das geschichtsträchtige Boyne Valley (Battle of the Boyne) erreichten wir an der Küste den kleinen Ort Skerries. In der traumhaften Unterkunft blickten wir direkt aufs Meer, beim Nachmittagstee unterhielten wir uns nett mit einem amerikanischen Paar.

Dienstag machten wir einen Abstecher ins Landesinnere nach Trim. Trim Castle ist eine große normannische Burganlage, die bei den Dreharbeiten zu „Braveheart“ als Kulisse für die Stadt York diente. Ein Führer, stolz auf seine keltischen Wurzeln, erzählte unheimlich viel Interessantes über die Geschichte dieser Burg. Leider war er wegen seines irischen Englisch (wahrscheinlich hat er es als Fremdsprache gelernt) sehr schlecht zu verstehen.

Abends kehrten wir zurück nach Skerries in die Unterkunft mit der tollen Aussicht …

Mittwoch endete unsere Rundfahrt um die irische Insel wieder in Dublin. Früh am Vormittag suchten wir direkt eine Unterkunft. In Dublin kann das wegen der vielen Touristen doch auch mal zum Problem werden. Nachdem die gesichert war ging es in die Stadt. Dort besichtigten wir das ehemalige Gefängnis Kilmainham Gaol. Viele irische Unabhängigkeits-Kämpfer saßen dort in Haft und wurden hier auch hingerichtet.

Abends ließen wir dann unsere Reise in einem Pub mit live gespielter irischer Musik und einem Pint Guinness ausklingen.

Am Donnerstag sahen wir uns noch etwas die Umgebung von Dublin an, bevor es dann an den Flughafen ging. Dort gaben wir den Wagen nach fast genau 3000 km Fahrtstrecken wieder bei der Autovermietung ab und mußten unsere Rückreise nach Deutschland antreten.

Viele Kleinigkeiten, die Irland sympathisch machen:

© Alexander Mette 2006